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Brunata Heizkostenablesung
Dirk F. Janssen
2005-02-16 10:15:10 UTC
Hallo,

heute kommt der freundliche Heizkostenmann von Brunata bei uns vorbei. Mal
wieder. Und wie immer wissen wir nicht, wie die Sache mit dem Ablesen
funktioniert. Kann das jemand erklären? In unserem Verdunster sind zwei
Röhrchen, das linke (rote) hat mehr Flüssigkeit drin als das rechte
(gelbe). Sagt das was aus - nicht über den tatsächlichen Verbrauch, aber
darüber, ob im Gegensatz zum Vorjahr mehr oder weniger verdunstet ist? Wie
liest man das Ding richtig ab und vergleicht den Zählerstand mit dem
Abrechnungsblatt des Vorjahres?

Danke, D.
Saim Kim
2005-02-16 11:19:57 UTC
Hallo,

hab das gleiche Porblem. Hab 3 Heizungen im gleichen Raum. Alle an der
gleichen Wand im Abstand von 1 m. Dieses Jahr habe ich die mittlere Heizung
GAR NICHT benutzt und trotzdem ist fast genausoviel aus dem Röhrechen
verdunstet wie aus den anderen beiden (alle haben die gleiche Farbe)?!? Wie
kann das denn eine verlässliche Heizkostenmessmethode sein? Kann man dagegen
Einspruch einlegen?

Gruss,
Saim Kim
Fabian Seyfried
2005-02-16 12:58:46 UTC
verdunstet ist? Wie liest man das Ding richtig ab und vergleicht den
Zählerstand mit dem Abrechnungsblatt des Vorjahres?
Ich habe zwar hier Metrona-Verdunster, aber das Prinzip ist sicher das
gleich - bei uns haben die Prüfer übrigens vor der Prüfung eine
Anleitung aufgehängt, wie die Geräte funktionieren:
Das linke Röhrchen ist das aktuelle Jahr, das rechte das vergangene (zum
Vergleich).
Die Farben sollten jedes Jahr wechseln, vermutlich um Missbrauch
auszuschließen.
Je nachdem wie warm es in der Umgeben des Röhrchens ist, verdunstet halt
eine bestimmte Flüssigkeitsmenge. Das ist anscheinend unabhängig davon
ob die Heizung tatsächlich an ist - im Bad muss ich praktisch nie
heizen, da es warm ist verdunstet aber trotzdem Flüssigkeit.

Wie jetzt die Umrechnung von Flüssigkeitsanzeige auf Heizkosten ist weiß
ich leider nicht.

HTH, Fabian
--
AGGCTTATGAAATCTTTACTCCTA
Oliver Urschel
2005-02-16 13:38:38 UTC
Hallo zusammen,

ich versuche mal den Zusammenhang etwas zu erhellen:

Die Heizkosten werden ermittelt aus dem Brennstoffverbrauch,
Heizungswartung (nicht Reparatur, die ist Sache des Vermieters),
Schornsteinfeger, den Ablesekosten (die ganz schön happig sein können)
und weiteren Posten (Reinigung des Heizungsraum und ähnlich abstruses
Zeug). Das sind dann die gesamten Heizkosten, die auf die Wohnungen
verteilt werden.

Von diesen gesamten Heizkosten wird meistens die Hälfte (30%-50%)
ohnehin nach Wohnfläche auf die Wohnungen verteilt, das bedeutet, selbst
wenn man das ganze Jahr nicht da war und in der Wohnung Temparaturen um
den Gefrierpunkt herrschten muss man Heizkosten zahlen.

Das was dann noch übrig ist wird verbrauchsabhängig umgelegt, und zwar
je nachdem, wer von den Mietern mehr Flüssigkeit in seinen Röhrchen
verdampft hat.

Dieses Verfahren ist gesetzlich festgelegt oder wurde durch Urteile des
BGH so gefordert, wie genau weiss ich nicht mehr.
Man kann sich dann jetzt nach dem Sinn des Ganzen fragen, da die
Ablesung sehr aufwendig und im Vergleich zu den Kosten auch teuer ist
und es ohnehin im Interesse des Vermieters wäre, wenn die Mieter
ordentlich heizen ohne auf ihre direkten Kosten zu schauen - in
Wohnungen, die insgesamt zu wenig geheizt werden, oder in denen einzelne
Räume zur "Energieeinsparung" nicht beheizt werden kommt es schnell zu
erheblichen Schimmelproblemen. Im Interesse der Mieter ist die Erfassung
auch nicht unbedingt, da man auch immer die umliegenden Wohnungen
mitheizt. Eine wirklich genaue Umlage nach dem eigenen Verbrauch bringt
also ohnehin kein Messverfahren der Welt. Und ökologisch bringt die
Verhaltenssteuerung durch die Verbrauchserfassung auch wenig, da das
Einsparpotential durch eine ordentliche Dämmung und eine moderne Heizung
ohnehin um ein vielfaches höher als die Einsparung durch ein Absenken
der Raumtemperatur ist. Der Energieverbrauch eines Hauses wird also im
Wesentlichen durch seinen technischen Stand, und nicht durch das
Heizverhalten der Bewohner bestimmt.

In der Schweiz jedenfalls sucht man Verdunster vergeblich - dort wird
nur nach Fläche umgelegt, und dafür ist es dort auch immer schön warm...

Gruss, Oliver
Markus Pfeiffer
2005-02-16 14:05:58 UTC
Post by Oliver Urschel
In der Schweiz jedenfalls sucht man Verdunster vergeblich - dort wird
nur nach Fläche umgelegt, und dafür ist es dort auch immer schön warm...
Och, wir haben unsere eigene Therme in der Wohnung. Da Kontrollierts
sich ziemlich nett selbst wie _scheissviel_ Energie man so verbrauchen
oder auch einsparen kann...

Markus
Karl Horsten
2005-02-16 18:42:47 UTC
Hallo Dirk,

bei mir stehen auf dem Ablese-Protokoll (Firma Mischke) folgende
Erläuterungen drauf:

----- 8< -----
Bei Heizkostenverteilern ergeben sich die Heizungsverbrauchsanteile für
die Nutzeinheit aus der Mutiplikation des Ablesewertes mit dem
Bewertungsfaktor des Heizkörpers, aufsummiert über alle Heizkörper der
Nutzeinheit.

Bei Heizkostenverteilern nach dem Verdunstungsprinzip senkt sich der
Flüssigkeitsspiegel im Messröhrchen unter Einfluss der vom Heizkörper
abgegebenen Wärme. Auch an abgestellten Heizkörpern findet, hauptsächlich
in den Sommermonaten, eine geringe Verdunstung der Messflüssigkeit statt.
Zum Ausgleich dieser sogenannten Kaltverdunstung sind die Messröhrchen
gemäß DIN EN 835 überfüllt.

Bei elektronischen Heizkostenverteilern kann eine unverhältnismäßig hohe
Umgebungstemperatur bei abgestellten Heizkörpern zu einem Zählfortschritt
führen. Dieser Zählfortschritt ergibt sich aus einer Vorgabe der
europäischen Norm DIN EN 834 un kann nicht verhindert werden. Vermeiden
Sie daher intensive Sonneneinstrahlung auf den Heizkostenverteiler sowie
andere Fremdwärmequellen in der Nähe des Heizkostenverteilers.

Zur Sicherung einer korrekten Heizkostenabrechnung können Sie zusätzlich
zur Kontrolle der Ablesung auch die Übereinstummung der Nummern am Gerät
und den Nummern im Ableseprotokoll überprüfen. In gewissem Unfang ist für
Sie auch der Bewertungsfaktor kontrollierbar. Gleiche Heizkörper (gleiche
Konstruktion und Abmessungen) müssen gleiche Bewertungsfaktoren haben,
große Heizkörper haben höhere Bewertungsfaktoren als kleine Heizkörper
gleicher Bauart.

Unterschiedlicher Witterungsverlauf, Energiepreisänderungen, Änderungen in
der Heizungsregelung, Wechsel der Messflüssigkeit etc. führen dazu, dass
für aufeinander folgende Heizperioden weder der Preis für die relativen
Verbrauchseinheiten noch die aufgewendete Energie miteinander vergleichbar
sind.

Heizkörper mit einer Baulänge von über 2 m werden zwecks einer besseren
Erfassung der vom Heizkörper abgegebenen Wärme mit zwei
Heizkostenverteilern ausgestattet. Der Heizkörper wird dabei quasi in 2
Heizkörper mit je einem Heizkostenverteiler aufgeteilt, wobei jedem
Heizkostenverteiler der halbe Bewertungsfaktor zugeordnet wird.
----- >8 -----

(und dann noch ein paar Abkürzungen für Geräte- und Heizkörpertypen)

Ich hoffe, dir damit ein wenig weitergeholfen zu haben.
Gruß, Karl
--
NEIN zu Studiengebühren! JA zur Verfassten Studierendenschaft!
http://www.asta.rwth-aachen.de/files/286/

PM bitte an die Adresse vor dem @.
Kay Wißmann
2005-02-17 17:42:00 UTC
Post by Oliver Urschel
Eine wirklich genaue Umlage nach dem eigenen Verbrauch bringt
also ohnehin kein Messverfahren der Welt.
Es gibt Wärmemengenzähler, die den Volumenstrom und den
Temperaturunterschied des strömenden Wasser messen. Macht nur Sinn, wenn
pro Wohnung eine Einheit sitzt, da die Dinger recht teuer sind. 100%ig
genau sind die auch nicht, aber doch schon recht gut.
(rho:=const) (bevor es Kommentare regnet)
Post by Oliver Urschel
Und ökologisch bringt die
Verhaltenssteuerung durch die Verbrauchserfassung auch wenig, da das
Einsparpotential durch eine ordentliche Dämmung und eine moderne Heizung
ohnehin um ein vielfaches höher als die Einsparung durch ein Absenken
der Raumtemperatur ist.
Ökologisch bringt es schon etwas. Es wird weniger Brennstoff verbraucht
und auch weniger Abgas erzeugt. Wenn ich nicht heize ist die Qualität
meiner Wärmedämmung egal.
Da wir Mitteleuropäer das im Winter aber nicht gut verkraften dauert es
nicht lange und wir landen im gut geheizten Krankenhaus. ;-)


Gruß
Kay